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ÄSTHETISCHE MEDIZIN

Hyperhidrose: wenn Schwitzen zur Belastung wird

Von Hyperhidrose spricht man, wenn der Körper deutlich mehr Schweiß bildet, als er zur Regulierung der Temperatur benötigt – oft unabhängig von Wärme, Anstrengung oder Aufregung. Viele Betroffene richten ihren Alltag danach aus: Kleidung, Begrüßung, Sport, Beruf. Dieser Beitrag gibt einen ruhigen Überblick über Formen, Ursachen und die üblichen Behandlungsstufen; welcher Weg im Einzelfall sinnvoll ist, klärt sich im persönlichen Gespräch und nach körperlicher Untersuchung.

A Fachlich geprüft von Argine Azatyan-Ernert Lesezeit ca. 6 Min.
Heller, ruhiger Behandlungsraum einer Praxis für Plastische Chirurgie in cremeweißen Farbtönen mit weichem Tageslicht

Was Hyperhidrose bedeutet

Schwitzen ist eine sinnvolle Körperfunktion: Über die Verdunstung auf der Haut hält der Organismus seine Temperatur stabil. Bei einer Hyperhidrose ist diese Regulierung gewissermaßen zu weit eingestellt – es entsteht mehr Schweiß, als die Situation erfordert.

Betroffene berichten von durchfeuchteter Kleidung schon am Vormittag, von feuchten Händen beim Begrüßen oder von Wechselshirts in der Tasche. Mit mangelnder Hygiene hat das nichts zu tun; es handelt sich um eine Fehlregulierung der Schweißdrüsen und ihrer nervalen Steuerung.

Medizinisch bedeutsam wird das Beschwerdebild dann, wenn es den Alltag, den Beruf oder das Wohlbefinden spürbar einschränkt. Eine feste Grenze in Millilitern gibt es im Sprechzimmer nicht – entscheidend sind der Befund, die Schilderung der Betroffenen und die Frage, was bisher versucht wurde.

EIN HÄUFIGES MISSVERSTÄNDNIS
Mit mangelnder Hygiene hat das nichts zu tun; es handelt sich um eine Fehlregulierung der Schweißdrüsen und ihrer nervalen Steuerung.

Primäre und sekundäre Hyperhidrose

Die primäre (fokale) Form tritt ohne zugrunde liegende Erkrankung auf. Sie beginnt häufig in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter, betrifft meist beide Körperseiten gleichmäßig und beschränkt sich auf einzelne Regionen – am häufigsten die Achselhöhlen, die Handflächen, die Fußsohlen oder das Gesicht. Im Schlaf lässt das Schwitzen in der Regel nach.

Die sekundäre Form ist Ausdruck einer anderen Ursache: einer Schilddrüsenüberfunktion, hormoneller Umstellungen etwa in den Wechseljahren, einer Stoffwechselerkrankung, einer Infektion oder auch bestimmter Medikamente. Sie betrifft meist den ganzen Körper, kann nachts auftreten und beginnt oft erst im späteren Lebensalter.

Deshalb steht am Anfang immer die Einordnung: Vorgeschichte, körperliche Untersuchung und – je nach Befund – eine weitergehende Abklärung, gegebenenfalls gemeinsam mit der hausärztlichen oder internistischen Betreuung. Erst danach ist eine Aussage darüber möglich, welche Behandlung überhaupt sinnvoll ist.

  • Gründe, das Schwitzen zunächst internistisch abklären zu lassen:
  • Beginn erst im mittleren oder höheren Lebensalter
  • Schwitzen am ganzen Körper statt an einzelnen Stellen
  • ausgeprägtes nächtliches Schwitzen
  • Beginn kurz nach dem Start eines neuen Medikaments
  • zusätzliche Beschwerden wie Gewichtsveränderung, Fieber oder Herzklopfen

Wo starkes Schwitzen auftritt – und was es im Alltag bedeutet

Am häufigsten sind die Achselhöhlen betroffen. Hier fällt Schweiß auch anderen auf, weil er sichtbare Ränder auf der Kleidung hinterlässt – ein Grund, warum viele Betroffene dunkle Farben, mehrere Lagen oder bestimmte Materialien bevorzugen.

An Handflächen und Fußsohlen steht weniger die Sichtbarkeit im Vordergrund als das Gefühl: feuchte Hände beim Händedruck, rutschende Stifte oder Werkzeuge, feuchtes Schuhwerk. Am Kopf und im Gesicht wird das Schwitzen häufig als besonders schwer zu verbergen erlebt.

Dauerhafte Feuchtigkeit kann die Haut zusätzlich reizen; in Hautfalten begünstigt sie Rötungen und Entzündungen. Wichtig ist uns dabei ein sachlicher Blick: Hyperhidrose ist unangenehm und einschränkend, aber sie ist gut besprechbar und in Stufen behandelbar.

  • Achselhöhlen: sichtbare Feuchtigkeit, häufigste behandelte Region
  • Handflächen: Griffsicherheit, Händedruck, Umgang mit Papier und Technik
  • Fußsohlen: Feuchtigkeit im Schuh, Hautreizungen
  • Gesicht und Kopfhaut: Schwitzen bei Wärme, Anspannung oder Mahlzeiten

Behandlung in Stufen: erst das Schonendste

In der Behandlung der Hyperhidrose hat sich ein stufenweises Vorgehen bewährt: Man beginnt mit dem, was am wenigsten eingreift, und geht erst weiter, wenn das Ergebnis nicht ausreicht. Wo genau man einsteigt, hängt vom Befund, von der betroffenen Region und von den bisherigen Erfahrungen ab.

Antitranspirantien mit Aluminiumchlorid verengen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen. Sie werden meist abends auf trockene Haut aufgetragen, weil die Drüsen dann weniger aktiv sind. Manche Menschen vertragen sie gut, bei anderen reizen sie die Haut – dann helfen niedrigere Konzentrationen oder größere Abstände.

Die Leitungswasser-Ionophorese arbeitet mit schwachem Gleichstrom und eignet sich vor allem für Hände und Füße. Sie erfordert anfangs mehrere Anwendungen pro Woche und danach eine regelmäßige Erhaltungsbehandlung; für zu Hause gibt es entsprechende Geräte.

Als weitere Stufe kommen verschreibungspflichtige Medikamente aus der Gruppe der Anticholinergika infrage, die die Signalübertragung zur Schweißdrüse dämpfen. Sie wirken im ganzen Körper und können Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Sehstörungen verursachen – deshalb werden Nutzen und Risiken vorab ärztlich abgewogen.

Botulinumtoxin: die Schweißdrüsen vorübergehend ruhigstellen

Bei der Injektionsbehandlung wird Botulinumtoxin in sehr kleinen Mengen und in vielen kleinen Depots in die Lederhaut eingebracht. Dort unterbricht es vorübergehend die Signalübertragung vom Nerv zur Schweißdrüse, sodass diese in dem behandelten Feld weniger Schweiß bildet.

Am häufigsten werden die Achselhöhlen behandelt. Handflächen und Fußsohlen sind ebenfalls möglich, gelten jedoch als empfindlicher; hier wird über Möglichkeiten der Betäubung gesprochen. Der Wirkungseintritt setzt in der Regel nach einigen Tagen ein, die Wirkung hält meist mehrere Monate an – häufig etwa vier bis sechs, je nach Befund und Region auch kürzer oder länger.

Weil die Wirkung zeitlich begrenzt ist, wird die Behandlung bei Bedarf wiederholt. Wie bei jedem Eingriff in die Haut sind kleine Einstichstellen, Blutergüsse oder eine vorübergehende Druckempfindlichkeit möglich; an den Händen kann kurzzeitig ein Kraftgefühl verändert sein. Über diese Punkte klären wir vor der Behandlung ausführlich auf.

miraDry: Mikrowellenenergie ohne Operation

Das miraDry-Verfahren ist für die Achselhöhlen entwickelt worden. Über einen Handgriff wird Mikrowellenenergie gezielt in die Hautschicht geleitet, in der Schweiß- und Duftdrüsen liegen; die Wärme wirkt dort, während die Hautoberfläche gleichzeitig gekühlt wird. Ein Hautschnitt ist dafür nicht erforderlich.

Die Behandlung findet in der Regel in örtlicher Betäubung statt, die Sitzung dauert meist etwa eine Stunde. In den Tagen danach sind Schwellung, Druckempfindlichkeit und ein pelziges Gefühl in der Achsel oder am Oberarm möglich; diese Erscheinungen bilden sich meist innerhalb einiger Tage bis Wochen zurück. Sport und starke Beanspruchung werden für kurze Zeit pausiert.

Da sich Schweißdrüsen nach heutigem medizinischem Verständnis nicht neu bilden, ist der Effekt auf Dauer angelegt. Häufig wird nur eine Sitzung durchgeführt; bei ausgeprägtem Befund kann eine zweite Behandlung besprochen werden. Wie deutlich die Veränderung im Einzelfall ausfällt, lässt sich vorab nicht vorhersagen – das gehört zur ehrlichen Aufklärung dazu.

  • Anwendungsbereich: Achselhöhlen
  • Ablauf: örtliche Betäubung, Sitzung meist rund eine Stunde
  • kein Hautschnitt, keine Naht
  • danach meist vorübergehende Schwellung und Berührungsempfindlichkeit
  • in der Regel eine Sitzung, in Einzelfällen eine zweite

Chirurgische Entfernung der Schweißdrüsen als Alternative

Wenn das Schwitzen in der Achselhöhle sehr ausgeprägt ist und die vorherigen Stufen nicht ausreichend geholfen haben, kann die operative Entfernung der Schweißdrüsen besprochen werden. Über kleine Zugänge wird die drüsentragende Schicht mit einer Kürette bearbeitet und abgesaugt (Saugkürettage); der Eingriff erfolgt meist in örtlicher Betäubung.

Es handelt sich um eine Operation mit einer Wundheilungsphase: Kompression, Schonung des Arms für einige Tage und Kontrolltermine gehören dazu. Möglich sind Blutergüsse, Flüssigkeitsansammlungen, Wundheilungsstörungen, Narben oder vorübergehende Gefühlsveränderungen der Haut. Wann Sie wieder arbeiten können, hängt vom Befund und von Ihrer Tätigkeit ab.

Welches Verfahren – Antitranspirant, Ionophorese, Injektionsbehandlung, miraDry oder Operation – für Sie infrage kommt, ergibt sich aus dem Befund, Ihrer Vorgeschichte und Ihren Erwartungen. In der Clinica Bellarte besprechen Dr. med. Carsten Ernert, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, und Argine Azatyan-Ernert, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, die Möglichkeiten mit Ihnen persönlich. Die Entscheidung fällt immer erst nach einer körperlichen Untersuchung und einem ausführlichen Aufklärungsgespräch.

Argine Azatyan-Ernert Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Fellow of EBOPRAS Clinica Bellarte · Frankfurter Str. 28 · 61231 Bad Nauheim

Häufige Fragen

Eine feste Messgrenze gibt es im Praxisalltag nicht. Ärztlich wird von Hyperhidrose gesprochen, wenn die Schweißbildung deutlich über dem liegt, was zur Temperaturregulierung nötig wäre, und wenn sie Alltag, Beruf oder Wohlbefinden einschränkt. Wie der Befund einzuordnen ist, klärt sich im Gespräch und bei der Untersuchung.

Üblich ist ein stufenweises Vorgehen: zunächst Antitranspirantien mit Aluminiumchlorid, dann – je nach Befund – eine Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin, das Verfahren miraDry oder die operative Entfernung der Schweißdrüsen. Welche Stufe sinnvoll ist, hängt von der Ausprägung und von den bisherigen Erfahrungen ab und wird individuell besprochen.

Die Wirkung setzt in der Regel nach einigen Tagen ein und hält meist mehrere Monate an, häufig etwa vier bis sechs. Die Dauer ist individuell unterschiedlich und lässt sich vorab nicht sicher bestimmen. Danach kann die Behandlung bei Bedarf wiederholt werden.

Die Behandlung wird in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt. In den Tagen danach sind Schwellung, Druckempfindlichkeit oder ein pelziges Gefühl möglich; das Schmerzempfinden ist von Mensch zu Mensch verschieden. Wie die Betäubung abläuft und was Sie danach erwartet, besprechen wir vorher in Ruhe mit Ihnen.

Die Clinica Bellarte ist eine Privatpraxis ohne Kassensitz. Ob und in welchem Umfang eine Kostenerstattung möglich ist, hängt von Ihrer Versicherung und Ihrem Tarif ab; Beihilfe- und Versicherungsstellen entscheiden das im Einzelfall. Wir erstellen Ihnen gern einen Kostenvoranschlag, den Sie vorab bei Ihrem Versicherer einreichen können.

Das hängt vom Verfahren ab. Antitranspirantien, Ionophorese und Injektionen wirken zeitlich begrenzt und werden wiederholt angewendet. Bei miraDry und bei der operativen Entfernung werden Schweißdrüsen dauerhaft reduziert; wie deutlich das Ergebnis ausfällt, ist individuell und lässt sich vorab nicht versprechen.
BEHANDLUNG IN DER CLINICA BELLARTE

Sprechen wir in Ruhe über Ihr Schwitzen

Wenn Sie wissen möchten, welche Stufe der Behandlung bei Ihrer Hyperhidrose infrage kommt, vereinbaren Sie gern einen Beratungstermin. Wir sehen uns den Befund an, ordnen ihn ein und erklären Ihnen die Möglichkeiten mit ihren Grenzen und Risiken – ohne Zeitdruck und ohne Vorfestlegung. Clinica Bellarte, Frankfurter Str. 28, 61231 Bad Nauheim, Telefon +49 6032 784 70 33 (Privatpraxis, kein Kassensitz). Die Entscheidung über eine Behandlung treffen wir gemeinsam erst nach der persönlichen Untersuchung.

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