Morbus Dupuytren: von den ersten Knoten bis zur Beugekontraktur der Finger
Zuerst ist es oft nur ein kleiner, derber Knoten in der Handfläche, der beim Händeschütteln auffällt. Später lässt sich ein Finger nicht mehr ganz strecken – beim Morbus Dupuytren zieht verändertes Bindegewebe die Finger allmählich in die Beugung. Dieser Beitrag erklärt in Ruhe, wie die Erkrankung verläuft, was der Tabletop-Test zeigt, warum Dehnübungen sie nicht aufhalten und welche Behandlungswege es gibt.
Was beim Morbus Dupuytren in der Handfläche geschieht
Beim Morbus Dupuytren verändert sich das Bindegewebe der Handinnenfläche – die sogenannte Palmaraponeurose (Palmarfaszie). Aus einer dünnen, verschieblichen Gewebeschicht werden derbe, narbenähnliche Strukturen. Tasten lässt sich das häufig als kleiner Knoten unter der Haut, meist in Höhe der Grundgelenke von Ringfinger oder Kleinfinger.
Viele Betroffene vermuten zunächst ein Problem der Sehnen, weil sich ein Finger nicht mehr strecken lässt. Die Beugesehnen selbst sind bei dieser Erkrankung in der Regel unversehrt. Der Zug entsteht durch die veränderten Bindegewebsstränge, die in der Handfläche und über den Fingern verlaufen und sich im Verlauf verkürzen.
Die Erkrankung tritt meist ab dem mittleren Lebensalter auf und betrifft Männer häufiger als Frauen. Eine familiäre Häufung ist bekannt; daneben werden Zusammenhänge mit Diabetes, bestimmten Medikamenten, Rauchen und Alkoholkonsum diskutiert. Eine einzelne Ursache lässt sich im Einzelfall meist nicht benennen – und niemand hat die Erkrankung durch Arbeit mit den Händen „verschuldet“.
- Tastbarer, meist schmerzloser Knoten in der Handfläche
- Grübchen oder Einziehungen der Haut über dem Knoten
- Ein derber Strang, der sich beim Strecken der Finger anspannt
- Zunehmende Schwierigkeiten, die Hand flach aufzulegen
Aus einer dünnen, verschieblichen Gewebeschicht werden derbe, narbenähnliche Strukturen.
Vom Knoten über den Strang zur Kontraktur
Der Verlauf beginnt fast immer unauffällig. Zuerst entsteht ein Knoten, der oft jahrelang unverändert bleibt und im Alltag kaum stört. Erst wenn sich aus dem Knoten ein Strang in Richtung Finger bildet, kann dieser Strang den Finger schrittweise in eine Beugestellung ziehen – die sogenannte Beugekontraktur.
Betroffen sind besonders häufig der Ringfinger und der kleine Finger, häufig an beiden Händen, meist unterschiedlich stark ausgeprägt. Ärztlich wird der Befund vor allem über das Streckdefizit beschrieben, also darüber, um wie viel Grad ein Gelenk hinter der vollen Streckung zurückbleibt. Zusätzlich wird beurteilt, welche Gelenke betroffen sind – ein Streckdefizit im Mittelgelenk gilt als schwieriger zu behandeln als im Grundgelenk.
Wie schnell sich all das entwickelt, ist sehr unterschiedlich. Manche Verläufe stehen über Jahre still, andere schreiten innerhalb weniger Monate voran. Ein früher Beginn, mehrere betroffene Finger und eine familiäre Häufung gelten als Hinweise auf einen eher aktiven Verlauf; sicher vorhersagen lässt sich der weitere Weg jedoch nicht.
- Knotenstadium: tastbare Verhärtung, Finger noch frei beweglich
- Strangbildung: derber Zug von der Handfläche zum Finger
- Beginnende Kontraktur: die volle Streckung gelingt nicht mehr
- Ausgeprägte Kontraktur: der Finger steht dauerhaft gebeugt, Greifen und Hygiene werden erschwert
Der Tabletop-Test: eine einfache Orientierung für zu Hause
Der Tabletop-Test (auch Tischplattentest) ist eine seit Langem gebräuchliche, sehr einfache Selbstbeobachtung. Legen Sie die betroffene Hand mit der Handfläche nach unten flach auf eine Tischplatte und versuchen Sie, sie ohne Druck vollständig aufzulegen. Bleibt ein Finger deutlich abgehoben, besteht in der Regel bereits ein relevantes Streckdefizit.
Ähnlich aussagekräftig ist der Alltag: Bleibt die Hand beim Griff in die Hosentasche hängen, stört der Finger beim Händeschütteln, beim Waschen des Gesichts, beim Anziehen von Handschuhen oder beim Greifen eines Glases? Solche Beobachtungen beschreiben die Funktion oft besser als jede Gradzahl.
Der Test ersetzt keine Untersuchung. Er ist ein Anlass, den Befund ärztlich einordnen zu lassen – auch deshalb, weil andere Ursachen für einen gebeugten Finger infrage kommen, etwa ein Schnappfinger oder Veränderungen der Gelenke. Was tatsächlich vorliegt und ob überhaupt eine Behandlung sinnvoll ist, zeigt sich erst in der persönlichen Untersuchung.
Warum Übungen und Dehnen die Erkrankung nicht aufhalten
Ein verkürzter Muskel lässt sich dehnen – ein Dupuytren-Strang nicht. Das veränderte Gewebe verhält sich wie eine Narbe: Es ist derb, wenig nachgiebig und bildet sich durch Zug nicht zurück. Kräftiges Dehnen, Massieren oder das Ziehen am Finger löst den Strang deshalb nicht auf; kräftige mechanische Reize können das Gewebe eher reizen.
Bislang ist kein Verfahren bekannt, das den Morbus Dupuytren zuverlässig zum Stillstand bringt oder heilt. Das ist kein Grund zur Beunruhigung: Solange nur Knoten bestehen und die Hand frei beweglich ist, ist Abwarten mit regelmäßiger Kontrolle ein üblicher und sinnvoller Weg.
Handtherapie hat dennoch ihren festen Platz – vor allem nach einer Behandlung, wenn es darum geht, die gewonnene Streckung zu erhalten, Narben geschmeidig zu halten und die Hand wieder in den Alltag zu bringen. Hilfreich ist außerdem, selbst zu notieren, seit wann sich etwas verändert hat und wie der Tabletop-Test heute ausfällt: Diese Angaben erleichtern die Einschätzung des Verlaufs im Gespräch.
Behandlungswege im Überblick
Nicht jeder Befund muss behandelt werden. Bei Knoten ohne Funktionseinschränkung genügt meist die Verlaufskontrolle. Als Anlass, über eine Behandlung zu sprechen, gilt in der Regel eine zunehmende Beugekontraktur, die den Gebrauch der Hand einschränkt – klassischerweise, wenn die Hand nicht mehr flach aufliegt.
Grundsätzlich stehen minimalinvasive und operative Verfahren zur Verfügung. Bei der perkutanen Nadelfasziotomie wird der Strang mit einer feinen Nadel durchtrennt; der Eingriff ist klein, die Belastung gering, ein erneutes Fortschreiten zeigt sich nach diesem Verfahren jedoch meist früher. Injektionsverfahren spielen international eine Rolle, sind in Deutschland aber nicht durchgehend verfügbar.
Der etablierte operative Weg ist die partielle Fasziektomie: Die veränderten Stränge und Knoten werden über einen zickzackförmigen Schnitt entfernt, wobei Nerven und Gefäße der Finger sorgfältig dargestellt und geschont werden. In der Clinica Bellarte erfolgt der Eingriff ambulant in Regionalanästhesie oder Vollnarkose und dauert je nach Befund etwa 1,5 bis 2 Stunden. Bei ausgeprägten oder erneut aufgetretenen Befunden kann zusätzlich Haut ersetzt werden (Dermofasziektomie).
Wie bei jeder Operation an der Hand gibt es Risiken, über die Sie im Aufklärungsgespräch ausführlich informiert werden – dazu zählen unter anderem Wundheilungsstörungen, Nachblutungen, Narbenbildung, Gefühlsstörungen sowie eine Verletzung von Nerven oder Gefäßen. Welches Verfahren im Einzelfall infrage kommt, hängt vom Befund, den betroffenen Gelenken, dem Beruf und Ihren Erwartungen ab und wird nach der persönlichen Untersuchung gemeinsam entschieden.
- Beobachten: bei Knoten ohne Einschränkung der Beweglichkeit
- Perkutane Nadelfasziotomie: kleiner Eingriff, rasche Rückkehr in den Alltag, meist frühere erneute Veränderungen
- Partielle Fasziektomie: operative Entfernung der Stränge, ambulant, in Regionalanästhesie oder Vollnarkose
- Dermofasziektomie mit Hautersatz: bei ausgeprägten oder wiederkehrenden Befunden
Nach dem Eingriff: Heilung und Handtherapie
Nach der Operation wird die Hand zunächst mit einem Verband versorgt und hochgelagert; Schwellung und Spannungsgefühl sind in den ersten Tagen üblich. Die Hautheilung ist in der Regel nach etwa zwei Wochen so weit fortgeschritten, dass die Fäden entfernt werden können. Narben brauchen anschließend deutlich länger, bis sie weich und blass sind – das zieht sich meist über mehrere Monate.
Die Beweglichkeit wird früh und behutsam wieder aufgebaut. Ergo- oder Physiotherapie gehört bei diesem Eingriff zum Behandlungsplan, häufig ergänzt durch eine Schiene, oft für die Nacht, je nach Befund. Wie viel Sie selbst üben und wie regelmäßig, hat erfahrungsgemäß erheblichen Anteil am Verlauf der Nachbehandlung.
Wann Sie wieder arbeiten, hängt stark von der Tätigkeit ab: Bürotätigkeiten sind meist früher möglich als körperliche Arbeit mit kräftigem Zugriff, Vibration oder Nässe. Auch das Autofahren richtet sich danach, ob Sie das Fahrzeug sicher beherrschen. Diese Fragen klären wir vor dem Eingriff konkret für Ihre Situation.
Rezidiv: warum die Veränderung wiederkommen kann
Ein Eingriff entfernt das veränderte Gewebe, nicht aber die zugrunde liegende Veranlagung. Deshalb kann sich beim Morbus Dupuytren auch nach einer gelungenen Behandlung im Laufe der Jahre erneut Gewebe bilden – entweder im behandelten Bereich oder an einer anderen Stelle der Hand. Das ist keine Fehlbehandlung, sondern liegt in der Natur der Erkrankung.
Wie häufig und wie rasch das geschieht, unterscheidet sich je nach Verfahren, Befund und individuellem Verlauf. Nach minimalinvasiven Verfahren zeigen sich Veränderungen in der Regel früher als nach der operativen Entfernung der Stränge; dafür ist der Eingriff kleiner. Genau diese Abwägung – kleinerer Eingriff gegenüber längerer Beschwerdefreiheit – gehört in das Beratungsgespräch.
Sinnvoll ist es, die Hand weiter im Blick zu behalten: Der Tabletop-Test dauert wenige Sekunden und zeigt Veränderungen zuverlässig früh an. Melden Sie sich, wenn ein Finger wieder abhebt oder ein neuer Strang tastbar wird – auch wiederkehrende Befunde lassen sich behandeln, und eine frühzeitige Einschätzung erweitert meist die Möglichkeiten.
Häufige Fragen
Ihre Hand in Ruhe untersuchen lassen
Wenn Sie einen Knoten in der Handfläche tasten oder ein Finger nicht mehr flach auf den Tisch kommt, schauen wir uns Ihre Hand in Ruhe an. Dr. med. Carsten Ernert, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie, und Argine Azatyan-Ernert, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie, ordnen den Befund ein und erklären Ihnen die möglichen Wege – einschließlich der Möglichkeit, zunächst abzuwarten. Über das weitere Vorgehen entscheiden Sie in Ruhe nach der persönlichen Untersuchung und einem ausführlichen Aufklärungsgespräch. Clinica Bellarte, Frankfurter Str. 28, 61231 Bad Nauheim, Telefon +49 6032 784 70 33 – Privatpraxis ohne Kassensitz.


